Rauhreif — Schlehenach Frost
Einzellage am Südhang, Hecke IV
Brand Nr. 7
Jahrgang 2025
Die Schlehen wachsen an einer Hecke oberhalb des Dorfes, zwischen Weide und Waldrand. Gepflückt wird erst, wenn der erste Frost durch ist: Dann bricht die Kälte die Gerbsäure, und die Beere gibt nach. Danach liegen die Früchte achtzehn Monate in einem milden Obstbrand, werden abgezogen, leicht gesüßt und von Hand abgefüllt.
Langer
Nachhall

Im Glas zuerst Marzipan, dann etwas Bittermandel vom Stein, zum Schluss herbe Pflaume. Der Nachhall hält, solange man ihn lässt, und er wird nicht süßer, je länger er steht.
Stil
Kein Sirup und kein Aroma aus der Flasche. Frucht, Brand, Zeit und ein Löffel Zucker auf den Liter, damit die Gerbstoffe nicht das letzte Wort haben.
Zimmerwarm servieren, in einem Glas mit Bauch. Nicht aus dem Eisfach: Die Kälte würde genau das verschlucken, worauf man achtzehn Monate gewartet hat.
Was im Glas passiert
Marzipan
Aus dem Stein, der mit angesetzt wird. Kommt zuerst.
Bittermandel
Kurz und trocken, ganz vorn am Gaumen.
Herbe Pflaume
Die Schale der Beere. Bleibt am längsten.
Abfüllung 2025
Sechshundert Flaschen
Mehr gibt die Hecke in einem Winter nicht her. Reserviert wird ab Oktober, abgeholt am Hof.

Am Tisch
Nach dem Wild
wird es still.
Rehrücken, Rotkohl, eine dunkle Soße mit Wacholder. Danach ein kleines Glas, und das Gespräch wird langsamer. Zu Süßem passt er schlechter, als man denkt: Er ist herber, als die Farbe verspricht.
Drei Teller, zu denen er passtZuklappen
- Wild mit Rotkohl — die Gerbstoffe fangen das Fett, der Wacholder findet die Mandel.
- Gereifter Bergkäse — Salz gegen Frucht, am besten ein Stück vom Rand.
- Bratapfel ohne Zucker — der einzige Nachtisch, der ihm nicht die Bühne nimmt.

Der Hang
Erst nach dem
ersten Frost
Die Hecke steht auf 480 Metern, mit Blick nach Süden. Gelesen wird im November, meist an zwei, drei Morgen hintereinander, solange die Beeren noch hart gefroren sind. Wer mitpflücken will, meldet sich vorher. Es gibt Kaffee und klamme Finger.